Isolationswiderstand zu niedrig? Manchmal ist nicht die Anlage der Fehler
Ein schlechter Isolationswert kann ein echter Mangel sein — oder der eingebaute Überspannungsschutz, der bei hoher Prüfspannung genau das tut, wofür er da ist. Wie sich beides unterscheiden lässt.
Ein zu niedriger Isolationswert löst reflexartig denselben Verdacht aus: ein Fehler in der Anlage, eine beschädigte Isolierung, ein Feuchteschaden. Manchmal liegt die Ursache aber ganz woanders — beim Bauteil, das die Anlage eigentlich schützen soll.
Wenn der Überspannungsschutz die eigene Messung stört
Überspannungsschutzgeräte arbeiten häufig mit Varistoren — spannungsabhängigen Widerständen, die bei einer bestimmten Spannung gezielt zum Schutzleiter ableiten. Bei der normalen Isolationsmessung mit hoher Prüfspannung wird diese Ableitung ausgelöst, obwohl kein Fehler vorliegt: Der Varistor tut exakt das, wofür er eingebaut wurde, verfälscht dabei aber das Messergebnis nach unten. Die Anlage erscheint schlechter, als sie ist.
Zwei Wege, damit umzugehen
Ist der Überspannungsschutz zugänglich, lässt er sich vor der Messung abklemmen — danach zeigt die Messung den tatsächlichen Isolationswiderstand der Anlage. Ist das Abklemmen nicht praktikabel, etwa bei einem fest eingebauten Überspannungsschutz in einer Steckdose, erlaubt die Praxis stattdessen eine reduzierte Prüfspannung: nicht niedriger als der Spitzenwert der oberen Grenze der Versorgungsspannung, in der Praxis regelmäßig um 250 V. Bei dieser Spannung bleibt der Varistor noch hochohmig, und die Messung liefert einen belastbaren Wert.
Warum das ins Protokoll gehört
Ein Prüfer, der weiß, dass ein Überspannungsschutz die Messung beeinflusst, und entsprechend reagiert, trifft die richtige fachliche Entscheidung. Steht diese Entscheidung nicht im Protokoll, sieht ein späterer Betrachter nur einen von der Erwartung abweichenden Wert — ohne die Begründung dafür. Die reine Zahl beantwortet dann nicht, ob ein echter Mangel vorlag oder eine korrekt behandelte Messbesonderheit.
Digitalisierung mit NormSafe
NormSafe hält neben den Messwerten ein Freitextfeld für Befunde und Besonderheiten der Prüfung vor — etwa, dass der Überspannungsschutz abgeklemmt oder die Prüfspannung reduziert wurde. Der Prüfer kann im Protokoll begründen, warum ein Wert von der Erwartung abweicht, statt eine nackte Zahl ohne Kontext stehen zu lassen.
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