Zum Inhalt springen
← Zurück zum Blog
Technik05.07.2026·6 Min. Lesezeit

Bluetooth-Import: Prüfgeräte direkt in die Software

Wie kommen Messwerte ohne Abtippen aus dem Prüfgerät in die Software? Was Web Bluetooth kann, was es braucht — und was es nicht verspricht.

Der manuelle Abgleich von Messwerten ist fehleranfällig und zeitaufwändig. Bei dreißig Geräten an einem Tag entstehen Zahlendreher — und ein Zahlendreher im Protokoll ist ein falscher Nachweis. Mit dem Bluetooth-Import überträgt NormSafe Werte direkt vom Prüfgerät in das Protokoll.

Wie die Verbindung technisch zustande kommt

Prüfgeräte mit Bluetooth-Schnittstelle senden ihre Messwerte fast durchweg als serielle Datenstrecke über BLE — also als Zeichenstrom, wie früher über die RS-232-Buchse, nur drahtlos. Für diesen Zeichenstrom haben sich einige wenige Profile durchgesetzt:

ProfilVerbreitung
Nordic UART (NUS)u. a. bei Gossen Metrawatt und Fluke mit BT-Adapter
HM-10 / CC2541u. a. bei HT Instruments, Benning, Chauvin Arnoux
Metrel MIMetrel MI 3309 BT, MI 3120, Eurotest XC
BLE Serial (SPP)allgemeiner Rückfall

NormSafe spricht alle vier. Das ist der entscheidende Punkt für die Praxis: Es kommt nicht auf das Modell an, sondern auf das Profil. Zwei Geräte desselben Herstellers können sich unterschiedlich verhalten, und ein Gerät, das hier nicht namentlich steht, funktioniert trotzdem, wenn es eines dieser Profile bedient.

Warum wir keine Modellfreigabe versprechen

Andere Anbieter führen Kompatibilitätslisten mit konkreten Modellnummern und einem Häkchen daneben. Wir tun das bewusst nicht.

Eine Liste mit „Status: verfügbar“ behauptet, dass jedes genannte Modell geprüft wurde. Bei einer generischen seriellen Schnittstelle stimmt das in dieser Form nicht — was geprüft ist, ist das Profil, nicht jede Firmware-Version jedes Geräts. Wer nach so einer Liste kauft und dessen Gerät sich dann nicht verbindet, hat zu Recht ein Problem mit dem Anbieter.

Ehrlicher und für Sie schneller: Verbindungsversuch starten. Ob Ihr Gerät antwortet, sehen Sie in wenigen Sekunden — kostenlos und ohne Anmeldung nötig.

Voraussetzungen

  • Chrome oder Edge ab Version 85. Web Bluetooth ist in Safari und Firefox nicht verfügbar — auf dem iPad funktioniert der Import deshalb nicht, dort bleibt der CSV-Weg.
  • Bluetooth 4.0 oder höher im Endgerät.
  • Prüfgerät im Übertragungsmodus. Fast alle Geräte senden nicht von sich aus, sondern erst, wenn die Schnittstelle im Menü aktiviert ist. Das ist die häufigste Ursache für „findet nichts“.
  • HTTPS. Web Bluetooth funktioniert nur auf verschlüsselten Seiten — bei NormSafe ohnehin immer der Fall.

Was in der Praxis schiefgeht, nach Häufigkeit

Wenn eine Verbindung nicht zustande kommt, liegt es fast nie an der Software. Diese vier Ursachen decken so gut wie alle Fälle ab:

1 · Die Schnittstelle ist im Gerätemenü aus. Prüfgeräte senden aus Batteriegründen nicht dauerhaft. Erst wenn die Datenübertragung im Menü aktiv ist, wirbt das Gerät überhaupt und wird gefunden.

2 · Das Gerät ist bereits verbunden. BLE-Prüfgeräte lassen in der Regel eine aktive Verbindung zu. Wenn die Hersteller-App auf dem Handy in der Tasche noch läuft, findet der Browser das Gerät nicht mehr — oder findet es und bekommt keine Daten. Die andere Verbindung trennen, nicht nur die App in den Hintergrund schieben.

3 · Koppeln ist nicht dasselbe wie verbinden. Ein im Windows- oder Android-Bluetooth-Menü gekoppeltes Gerät ist damit noch nicht für die Seite erreichbar: Web Bluetooth baut seine eigene Verbindung über die Geräteauswahl im Browser auf, und die muss der Nutzer bei jedem Start bestätigen. Das ist kein Fehler, sondern die Sicherheitsarchitektur der Schnittstelle — eine Webseite darf sich nicht still mit Geräten in der Umgebung verbinden.

4 · Abschaltautomatik. Viele Geräte trennen die Schnittstelle nach wenigen Minuten ohne Aktivität. Wenn die Verbindung mitten in einer Prüfreihe abreißt, ist meist das die Ursache und nicht der Browser.

Bleibt es dabei, dass das Gerät gefunden, aber nichts übertragen wird, spricht es sehr wahrscheinlich ein herstellereigenes Protokoll statt einer seriellen Strecke. Dann ist der CSV-Weg der richtige.

Was ankommt, ist ein Zeichenstrom — die Zuordnung ist die eigentliche Arbeit

Das häufigste Missverständnis: Ein Prüfgerät schickt selten einen fertigen Datensatz. Es schickt Zeilen — ein Zahlenwert, eine Einheit, oft eine Kennung der Messart, manchmal eine laufende Nummer. Was der Wert bedeutet, ergibt sich aus dem Zusammenhang.

Genau hier entsteht die Fehlerklasse, die man auch mit Bluetooth nicht automatisch los ist: Ein übertragener Wert kann im richtigen Format und trotzdem im falschen Feld landen — ein Isolationswiderstand in der Zeile des Schutzleiterwiderstands sieht plausibel aus und ist ein falscher Nachweis. Deshalb landet jeder übernommene Wert in dem benannten Feld seiner Messart — Schutzleiterwiderstand, Isolationswiderstand, Ersatzableitstrom und so fort — und wird dort sichtbar hervorgehoben. Werte, die für ihre Messart unplausibel sind, werden direkt am Feld angemerkt, statt still übernommen zu werden.

Praktisch heißt das: Übertragen Sie Messung für Messung entlang des Prüfablaufs, nicht als Blockexport am Ende. Dann steht jede Zahl bei dem Prüfschritt, aus dem sie stammt.

Wenn Bluetooth nicht geht: CSV-Import

Für Geräte ohne passende Schnittstelle und für die Übernahme von Altbeständen gibt es den CSV-Import mit eigenen Format-Parsern:

  • Fluke (DMS / Connect CSV)
  • Gossen Metrawatt (IZYTRON.IQ CSV — u. a. die Profitest-Reihe exportiert darüber)
  • Benning (PC-Win CSV)
  • HT Instruments (TopView CSV)

Dazu ein generisches Format für alles andere. Das ist auch der Weg, wenn Sie von einer anderen Software wechseln: Bestand exportieren, importieren, weiterarbeiten.

Der eigentliche Gewinn: keine Tippfehler, sofortige Bewertung

Jeder übertragene Messwert wird sofort gegen den Grenzwert geprüft, der sich aus den Stammdaten des Geräts ergibt — Schutzklasse, Leitungslänge, Querschnitt, Heizleistung. Sie sehen also nicht nur die Zahl, sondern direkt, ob sie im Rahmen liegt.

Das verschiebt die Fehlersuche dahin, wo sie hingehört: an das Gerät, während Sie noch davorstehen. Nicht abends am Schreibtisch, wenn die Werte abgetippt sind und ein Ausreißer auffällt, den niemand mehr zuordnen kann.

👉 Grenzwerte selbst nachrechnen · Alle Integrationen

Was der Import nicht ersetzt

Zwei Dinge bleiben Handarbeit, und das ist keine Lücke, sondern die Sache selbst.

Die Sichtprüfung. Kein Prüfgerät überträgt einen gequetschten Stecker oder eine spröde Zuleitung. Ein Gerät mit tadellosen Messwerten und beschädigter Anschlussleitung ist durchgefallen — der Blick entscheidet, nicht die Zahl.

Die Stammdaten. Leitungslänge, Querschnitt, Schutzklasse und Heizleistung stehen nicht im Datenstrom des Prüfgeräts. Ohne sie ist der richtige Grenzwert nicht bestimmbar, und der schnellste Import bewertet dann gegen den falschen Wert. Diese Angaben einmal sauber am Gerät zu hinterlegen ist der Aufwand, der sich über alle folgenden Prüfzyklen auszahlt.

Kurz zusammengefasst

Bluetooth-Import spart nicht in erster Linie Zeit, sondern verhindert eine Fehlerklasse. Ein abgetippter Messwert kann falsch sein, ohne dass es jemals auffällt — ein übertragener nicht. Bei einem Dokument, das im Schadensfall als Nachweis dient, ist das der wichtigere Unterschied.

Kostenlos anlegen · DGUV V3 App ansehen

Prüfprotokolle in 5 Minuten erstellen?

Teste NormSafe 14 Tage kostenlos — ohne Kreditkarte.

Kostenlos starten